#30 Ana Romas: Trauer und Essen

Shownotes

Ana Romas kennt sich aus mit Essen. Auf Instagram zeigt sie regelmäßig Gerichte aus unterschiedlichsten Ländern. Gerade wenn wir persönliche Verbindungen zu einem anderen Land oder einer anderen Kultur haben und dann in einem völlig neuen Land aufwachsen, kann Essen ein essenzieller Faktor sein.

Wie kommen wir eigentlich zu einem Zugang zu unseren Emotionen, wenn wir das nie wirklich gelernt haben? In einigen Ländern der ehemaligen Sowjetunion waren der öffentliche und transparente Umgang mit mentalen Gesundheitsthemen ein Tabu. Darüber wurde nicht gesprochen und Gewalt, vor allem im familiären Kontext, wurde als "Selbstverständlichkeit" angesehen. Eigentlich ein Widerspruch, wenn in der Musik als auch Literatur so offen über gebrochene Herzen und Traurigkeit thematisiert wurden.

Wenn wir aber damit aufgewachsen sind, keine Trauer zu zeigen, wie sollen wir dann im Erwachsenenalter damit umgehen können?

Essen kann eine tiefgreifende Kraft entfesseln. Vor allem in Bezügen zur eigenen Heimat, wo auch immer sie sein mag. Deshalb investieren wir gerne viel Kraft, die richtigen Zutaten bekommen um etwas zurück zu holen, was wir hinter uns gelassen haben. Entstehen deshalb unter den Beiträgen von Foodblogger*innen so hitzige Diskussionen, wenn Rezepte vorgestellt werden, die nicht unserer Erinnerung entsprechen?

Darüber und über vieles mehr in der neuen Folge von Trauerschatten.

✏️Shownotes:

➡️Zu Anas Instagram-Account

➡️Zu Anas Webblog mit allen möglichen Rezepten

➡️Das Buch "Sprache und Sein" von Kübra Gümüşay, erschienen bei Hanser Verlage

➡️Der Text von Hengameh Yaghoobifarah zu Teigtaschen als Symbol für Vielfalt. Erschienen 2022 bei der taz


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🎬Idee, Redaktion und Produktion: Samson Grzybek

📸Idee und Cover: Jana Rodenbusch

📸Sounddesign und Kompositionen: Gin Bali

Transkript anzeigen

00:00:13: Trauerschatten.

00:00:14: Der Podcast über Trauer, Verlust und das Leben danach.

00:00:24: Hallo und herzlich willkommen bei der neuesten Folge Trauerschatten Heute mit mir.

00:00:29: dabei ist Anna-Romas.

00:00:32: Hi schön dass du da bist.

00:00:34: Hi vielen Dank für die Einladung.

00:00:36: Für die Leute da draußen die Anna nicht kennen ich glaube gerade auf Instagram bist du vor allem bekannt unter deinem Insta Handel Russischer Klett.

00:00:47: Du beschäftigst dich sehr viel mit dem Thema Essen, Kochen.

00:00:51: Was wir für persönliche Bezüge zum Thema Essen haben gerade auch Herkunfts-, HeimatbezüGE.

00:00:59: Du hast ich glaube schon zwei Kochbücher

00:01:02: beschrieben

00:01:04: und genau du beschäftigest dich einfach sehr viel Mitessen.

00:01:10: Ich sehe dich immer wieder bei der Zeit also auch beim WDR wo du auch eben zum Thema Kochen dabei bist, guest innen einlädst oder eben halt auch Rezepte aus aller Welt nachkochst.

00:01:24: Genau!

00:01:26: Alles korrekt.

00:01:30: Wenn du dich aber eben nicht mit kochen und essen beschäftigst sondern vielleicht mit einem ganz anderen Thema möchte ich direkt mit der Frage einsteigen was hat dich traurig gemacht Anna?

00:01:44: Ich glaube... Also, in erster Linie fällt es mir sehr schwer über Gefühle zu sprechen.

00:01:52: Und wir können das ja auch so ein bisschen transparent hier halten.

00:01:55: als du mich gefragt hast ob ich dabei sein möchte habe ich ja direkt so gesagt ich weiß nicht ob ich die richtige Person dafür bin für diese Art Podcast und dann irgendwie im Verlauf der Zeit bis zur Terminfindung nun bis jetzt bis zur Aufnahme hab ich mir so Gedanken darüber gemacht was mich generell traurig macht oder, wann ich zuletzt so eine große Trauer empfunden habe und mir ist direkt so klar geworden eigentlich nie.

00:02:22: Deswegen bin ich trauriger darüber vielleicht dass ich nie gelernt habe richtig traurigt zu sein.

00:02:31: also auch wenn oder gerade weil ich in einer Kultur aufgewachsen bin in der Trauer Ja, sowohl so ein großer Teil der Popkultur oder Literatur und auch Kunst irgendwie war.

00:02:48: Und immer noch ist teilweise aber irgendwie so real gesellschaftlich nie richtig zugelassen wurde und jetzt so runtergebrochen.

00:02:56: auf die Rolle der Frau vor allem glaube ich ja also die Gesellschaft wo ich herkomme wurde komplett von Frauen getragen.

00:03:06: Ja, Frauen hatten mehrere Jobs.

00:03:08: die waren so die Grundpfeiler dieser Gesellschaft.

00:03:10: es gab einfach keine Zeit dafür traurig zu sein weil man irgendwie die ganze Zeit daran gearbeitet hat ja zu überleben und leben zu können.

00:03:20: und mittlerweile weiß ich natürlich auch dass sich traurigt sein kann so ein bisschen.

00:03:24: aber das äußert sich bei mir würde ich sagen eher so als Wut.

00:03:30: Ich bin sehr oft und sehr gerne wütend.

00:03:33: Irgendwie in meiner Bio steht auch superplakativ bei Instagram, rent and cook!

00:03:37: Ich rente supergerne über Sachen.

00:03:39: mittlerweile habe ich aber natürlich auch gelernt dass Wut ja so eine Sekundärmotion ist also das es ja irgendwo herkommen muss Und ich denke bei mir wird es wahrscheinlich daher kommen, dass sich nie so richtig gelernt habe mit Trauer oder Weltschmerz umzugehen.

00:03:57: Was

00:03:57: man natürlich wie immer in einem Audio-Podcast nie mitsehen kann ist wenn die Gesprächsperson, die andere, die zuhört dann auch so nickt erstmal so reaktiv aber auch so zustimmt weil das sehr viel so mit mir resoniert.

00:04:13: magst du kurz noch erläutern von welcher Herkunft du sprichst, also wo du aufgewachsen bist oder wo deine Bezüge sind.

00:04:21: Wo eben so ein gesellschaftliches Aufwachsen stattfindet?

00:04:27: Ich komme aus Kasas dann... Also ich komme aus einer postsovietischen Land und einer post-sovietisch aufgebauten Gesellschaftsstruktur.

00:04:41: In meinen ersten Lebensjahren ist gerade mal die Sowjetunion zerbrochen.

00:04:49: Das heißt, alle Auswirkungen davon auf die Gesellschaft und natürlich auch die wirtschaftlichen Aspekte, die dann auch noch eine größere Auswirkung auf die Gesellschaft hatten habe ich so mitgenommen und ich hab den weiteren Verlauf in dem Ort nicht mitbekommen weil ich ja nach Deutschland ausgewandert bin Und deswegen sitzt es, glaube ich auch noch so in mir fest.

00:05:13: Ich kriege aber natürlich mittlerweile durch das WWW mit, dass es natürlich auch Deine Entwicklungen gibt und aus dieser Traumaverarbeitung ist ja eine ganze Unterkategorie von Niem-Kultur entstanden mit zu gasleitenden Eltern und irgendwie sowas wie traumatische Posten.

00:05:37: Traumatsche Belastungsstörung gar nicht gibt, so nach dem Motto.

00:05:41: Und alles irgendwie in einer Summatisierung von psychischen Problemen bewältigt wird und man immer auf Kuhe fährt.

00:05:53: oder ist das Status quo aus dem ich komme.

00:06:00: Teil der Zeit damals waren auch Sätze wie ... Also es kommt jetzt bei den deutschen Zuhörenden, das kommt wahrscheinlich super schlimm an.

00:06:10: Aber wirklich ich bin damit aufgewachsen dass gesagt wurde so wenn er dich nicht schlägt liebt der dich nicht oder wenn man dann traurig war dann vielen oft zu Sachen wie ja du kriegst gleich schon noch was zum Traurich sein.

00:06:26: so trauer wurde als so nichtig abgestempelt schnell So lang es nicht um so riesige, monumentale Trauersachen ging.

00:06:37: Also alles was kein Weltuntergang ist mittelbar... Ist nicht schlimm!

00:06:42: Es geht weiter!

00:06:46: Ja diese Sätze und ähnliche kannte ich auch.

00:06:49: also Ich bin ja in Polen geboren Da aber auch nicht so lange aufgewachsen.

00:06:54: Aber trotzdem mit der Familie und dem Bezug War Trauer auch nie so ein Thema In der Familie.

00:07:04: Weil dann auch immer so die Frage, was gibt es denn für einen Grund traurig zu sein?

00:07:07: Also auch wieder diese.

00:07:09: Was gibt es da überhaupt?

00:07:10: Was wäre denn so schlimm im eigenen Leben dass man traurigt sein könnte eben außer solchen monumentalen Themen wie wahrscheinlich dann halt eben Todesfall oder solche Sachen und das ist natürlich glaube ich ja eine sehr schwierige Grundvoraussetzung.

00:07:29: Wie lernt man Trauer wenn man in der Umgebung in der Familie in der Gesellschaft aufwächst wo es kulturell auftaucht, in Musik und sonstwo.

00:07:40: Aber familiär ist es so wie ein Gespenst was irgendwie vielleicht da ist.

00:07:46: aber dann darüber wird nicht gesprochen und man weiß auch gar nicht die richtigen Fragen zu stellen.

00:07:55: oder also in meiner Familie habe ich mir das auch sehr schwierig vorgestellt so darüber zu sprechen so hey ich bin traurig wie man dann überhaupt ernst genommen wird.

00:08:06: Weil dann eben solche Sprüche waren, so ja ich geb dir gleich einen Grund traurig zu sein oder auch so ein Spruch so wenn du traurisch bist dann hast du nichts zu tun.

00:08:16: wo dann auch immer wieder impliziert wurde es gäbe ja keine Zeit zu trauern weil man ja an irgendwas arbeitet oder irgendetwas tun muss und geschäftigt sein muss und das vielleicht auch in so einem sozialistischen Glauben.

00:08:33: aber ich glaube Bei mir, vielleicht war es bei dir anders.

00:08:36: Bei mir war es sehr häufig so ... wenn man Zeit hätte zu trauern, dass man dann nichts für die Familie tut und ein undankbares Familienmitglied ist.

00:08:52: Es gibt auch sowas nicht so einen Sprichfort, aber das ist nach dem Motto... So was wie Erfolg bringt Verantwortung mit.

00:09:04: Also wenn du noch jung bist, ist es ja schon ein Erfolg und Du musst dann ja quasi so den Rest der Familie mitversorgen irgendwann oder du wirst auf jeden Fall dafür verantwortlich sein früher oder später die mit zu versorgen.

00:09:21: das Das ist in meinem Kopf aber total gegensätzlich Zu Ja zu der Ideologie, in der ich aufgewachsen bin.

00:09:33: Also das widerspricht in meinem Kopf ideologisch ja komplett dieser sozialistischen Fahrtrichtung, weil das ist für mich total kapitalistisch geprägt.

00:09:42: jetzt wenn wir jetzt von diesem modernen Status sprechen aber auch generell widersprich dass in meinem kopf Der Sprache mit der ich aufgewachsen bin also ich kenn auf russisch Weiß nicht mindestens sechs Wörter für Trauer.

00:09:56: die gibt es im deutschen gar nicht und diese sind so Ich weiß nicht, wie es im Polnischen ist.

00:10:01: Aber die sind dann auch so sortiert nach Stärke, nach Dauer und auch so irgendwie Zuschreibung dafür, wofür sie sind?

00:10:09: Also das ist da nicht einfach so ein Milankulier.

00:10:10: Das gibt's natürlich auch aber es gibt ja sowieso mit Angst und Furcht.

00:10:16: Das gibts für verschiedene Trauerarten quasi Und ich habe auch mal Forschungen dazu gelesen witzigerweise Dazu dass russesprachige Menschen so einen höheren Reiz empfinden für negative Sachen.

00:10:36: Und auch dadurch halt eine stärkere Neigung entwickeln zum Grübeln und so weiter, das ist ja total läuft gegenseitig dazu wie es nach vorne getragen wird mit Trauer umzugehen.

00:10:51: Ich weiß nicht ob das irgendwie mich immer noch dazu bringt nicht richtig damit umgehen zu können.

00:10:59: oder diese so einge-anerzogene Verantwortung, oder dieses Verantwortungsgefühl.

00:11:06: Oder diese ja vielleicht romantische Vorstellung davon, dass nur Künstler innen, PoetInnen und auch so kulturschaffende sich Zeit nehmen können, sich damit zu beschäftigen und auch einen Epos darüber irgendwie aufsetzen können, auch einfach Weltschmerz empfinden kann oder irgendwie Verlust über Liebe empfinden und so.

00:11:33: Und nicht alles durchprogrammatisiert im Leben.

00:11:38: Eigentlich wollte ich erst mal noch einmal zu dieser Wut kurz einhergehen, weil mir das noch eingefallen ist, dass du das noch angesprochen hattest was sich auch bezeichnet finde, häufiger spricht, wie mehrere Gefühle übereinanderlappen können und dass man das manchmal vielleicht gar nicht weiß.

00:11:56: Wenn man dann wütend ist so okay, vielleicht ist man doch einfach nur traurig und man kann eher einfacher wütender sein als traurisch sein.

00:12:05: Und da hab ich jetzt auch keine dutzenden wissenschaftlichen Abhandlungen dazu gelesen.

00:12:12: aber wir asoziieren ja häufig ja auch Wut eher mit was aktiverm, mit etwas schaffenderem, durchdringenderen,

00:12:22: obwohl

00:12:23: genau und das können auch alles Aspekte sein die vielleicht natürlich dann auch eine andere Zugängigkeit ermöglichen zu Wut als zu Trauer.

00:12:36: Und wir vielleicht auch so Vorurteile gegenüber wie Wut zu sein hat und was Wut darf und nicht darf und wie Wud nach außen hin oder im Inneren getragen wird im Gegensatz zur Trauer.

00:12:50: Und das eben auch, wie du gerade gesagt hast, dass da vielleicht auch eine geschäftliche Assoziation ist oder eine Verschiebung.

00:12:57: Wem halt bestimmte Emotionen anerkannt werden und natürlich halt auch welche Emotion gesellschaftlich nach außen getragen werden?

00:13:05: Und von wem also auch wieder dieses künstlerische... ...und es ja dann auch so bezeichnet ist, dass in bestimmten Sprachen wie dem russischen im polnischen auch in anderen Sprachen es doch für einen Emotionszustand Selbst in den Variationen so viele Wörter gibt, die in der Essenz alle das Ähnliche meinen.

00:13:26: Aber dann doch sehr unterschiedlich sein können und im Deutschen ist es dann trauer.

00:13:31: Also jetzt plakativ.

00:13:33: natürlich kann man wahrscheinlich wenn man irgendwie durch einen Dun geht oder ein Tisaurus findet man bestimmte welche Begriffe, die aber kaum jemand noch benutzt weil sie halt nicht mehr der Allgemeinsprache, der Umgangssprache gehören Vielleicht eben Lyrica in Finder nur noch solche Begriffe.

00:13:52: Ich frage mich auch manchmal, ob es dann so eine schwierige Zugänglichkeit ist gerade wenn wir uns jetzt beide im Deutschsprachigen Raum bewegen weil Deutsch nicht unsere erste Sprache ist und es dadurch vielleicht auch ne andere Zugängigkeit ist.

00:14:05: da erinnere ich mich auch daran an das Buch von Kübra Gümichai Sprache und Sein wo sie halt auch darüber gesprochen hat wie sie Wie sie sich fühlt, wenn sie Englisch spricht und wenn die Deutsch spricht.

00:14:19: Und wie es anders ist dann im türkischen und so weiter... ...und dass man je nach Sprache sich auch in einem anderen Charakter von sich selbst wieder befindet.

00:14:27: So als hätte man mehrere Versionen von sich selber drin und sagt, okay, polnisch bin ich vielleicht nicht so mutig weil ich hauptsächlich polnische mit meinen Eltern spreche und mein Vokabular ein ganz anderes ist.

00:14:42: also wenn ich jetzt im englischen akademisch akademischer rüberkommen kann und politische Begriffe einfach so aus mir rausspurdeln können.

00:14:50: Und ich dadurch ein ganz anderer Mensch sein kann, vielleicht hilft es oder hemmt es ja auch unseren Zugang zu Trauer in welchen Sprachen wir uns bewegen?

00:15:01: Ja, ich finde das witzig.

00:15:02: als du das eben erwähnt hast dass wahrscheinlich mit der fremd sprachlichkeit zusammenhängen kann hatte ich so ein Heuriker, also mir hilft es allein Sachen zu verschriftlichen.

00:15:16: Also das ist witzig... Ich rede wirklich nicht gerne über Gefühle aber ich schrei beständig über Gefüle in Verbindung mit Essen oder halt.

00:15:24: Essen ist so Transfermittel für Gefühlen, für so Sehnsuchtsmomente, Erinnerungen ne?

00:15:32: Das ist ja alles auch nicht irgendwie befreit von Gefüheln oder Trauer Freude auch.

00:15:41: Und du bist ja auch Autorin und ich weiß nicht, wie es bei dir ist aber ich finde wenn ich tippe oder schreibe dann spaltet sich so ein Teil von mir ab und da muss das ja nicht mal eine andere Sprache sein.

00:15:54: Aber ja es kann auf jeden Fall dazu beitragen dass wir noch von einer Fremdsprache also wenn wir das noch dazunehmen dass es noch einen größeren Aspekt ist.

00:16:03: Ich finde den Schreibprozess zumindest bei mir so bezeichnend weil meistens fühlt es sich so an, als hätte ich Wörter fast wie eine Buchstabensuppe die sich in einem riesigen Meer befinden.

00:16:18: Und wenn ich dann schreibe und gerade auch lyrisch, dass das jedes Mal ein Tauchvorgang ist weil diese Wörtern so schwer sind, dass sie nicht mit einer Angel oder einem Netz hervorholen sind, sondern ich muss jedes mal körperlich rein in diese Würter um sie zu kriegen ... in meinem Kopf zum verschriftlichen oder in meinem... ... Kopf zum mündlichen einfach so ein Akt sein kann, je nachdem um was es jetzt geht.

00:16:45: Wir reden jetzt nicht irgendwie über einen Einkaufszettel oder ich schreibe eine E-Mail irgendwie.

00:16:49: Das sind natürlich andere Formate.

00:16:51: aber also wirklich wenn das emotionale Schreiben da ist.

00:16:55: Da gebe ich dir glaube ich recht dass es halt schon was anderes sein kann.

00:17:01: Gerade muss ich auch daran denken ich habe vor kurzem so ne so neues Schreibprojekt eröffnet Liebesbriefe vom Mond.

00:17:09: Weil irgendwie hatte ich auf einmal so große Lust, Liebes Briefe zu schreiben.

00:17:12: So ein bisschen kitschig, wirklich triefend voller Liebe und ... Ein bisschen auch an Minnesang orientiert aber in Queer weil ich dachte ihr irgendwie will ich sowas haben.

00:17:30: Und bestimmter Bezüge können dann natürlich halt auch so motivator sein Und gerade halt auch logischerweise mit deiner Arbeit das Thema Essen auf den Tisch gebracht hast, wenn wir bei diesen Mitwaffern sind als Transfermittel von Gefühlen.

00:17:50: Da hab ich grade gedacht was ist ein Gericht, was dich traurig macht?

00:17:57: Darüber habe ich noch nie nachgedacht.

00:18:06: Ich glaube tatsächlich so etwas gibt es beziehungsweise ist mir noch nie untergekommen... Gerichte in mir wecken ist eher so eine Art Sehnsucht, was ja auch nicht ohne Trauer auskommt.

00:18:20: So ne Sehmsucht nach einer wahrscheinlich auch sehr idealisierten und kindlichen Vorstellung nach früher und nach diesem selbstversorgenden Dorfleben früher?

00:18:33: Was ich ja nie so werde haben können... Ich glaube das ist er das!

00:18:39: Und dass aber auch nicht beschränkt auf allen Gericht sondern Super, super viele.

00:18:44: Die dann so ... ja, direkt so einen super kurzen Link irgendwie aufmachen im Kopf zu der Vergangenheit als man noch so unbeschwert, als Kind... So geil in Sommer verbrannte Kartoffel ist das!

00:19:02: Ich rede eigentlich ganz oft darüber aber ich vergesse das auch ständig.

00:19:07: Aber jetzt, als ich das erzählen wollte tatsächlich Ich habe es früher geliebt, als irgendwie die Kartoffelernte anstand.

00:19:19: Weil wir dann früher dann ... Die Kartoffeln geerntet haben und das Grün für ein paar Tage auf dem Feld trocknen lassen, das dann eingesammelt und in so einem großen Feuer verbrannt und die Kartofeln vom letzten Jahr in die Glut geschmissen.

00:19:36: Und wenn wir dann die Erde so aufbereitet haben lag sie über Stunden in der Glut Und dann war das einfach so eine schwarze verkohlte Kartoffel wie ein Brickett, was man aufreißen konnte.

00:19:49: Einfach mit Salz und Butter manchmal einfach so auf dem Feld gegessen hat.

00:19:54: Immer wenn ich so ... So ne verkohlten Kartoffeln irgendwo sehe, bin ich so oh mein Gott!

00:20:00: Ich bin wieder aufm Feld um sechs oder so.

00:20:04: Ja spannend aber auch wie diese Assoziation bei dir gekommen ist... Bei mir war es irgendwie so Als ich diese Frage gestellt hatte, hatte ich schon angefangen, so Kategorien zu haben.

00:20:16: Ich gab einen Gericht, was mich traurig macht oder traurich machen würde.

00:20:24: Das wäre im Polnischen nennt man das Rausso.

00:20:28: Das ist einfach eine klare Hühnersuppe mit Nudeln.

00:20:34: Dann hat man meistens auch noch Stücke von in der Suppe gekochtem Fleisch da drinne mit Petersilie.

00:20:41: Und das Highlight war auch immer so eine Karotte, die dann in der Suppe auch stundenlang mitgekocht hat und die dann so weich war dass man sie so mit dem Löffelchen ganz leicht zerteilen konnte.

00:20:52: Das ändert mich an meine Oma weil wir es zu jeder Jahreszeit gegessen haben.

00:20:57: Auch in der brütesten Hitze im Sommer gab's dann auch diese Suppe Dadurch, dass ich keinen Kontakt mehr zu meiner Familie habe.

00:21:07: durch meine Queerness ist es so... Das assoziere ich mit Traurigkeit.

00:21:11: Diese Suppe hab' ich auch nach dem Kontaktabbruch mit meiner Familie nie wieder gegessen.

00:21:17: Würde ich jetzt tatsächlich eher nach einer veganen Variante schauen aber das würde mich traurig machen.

00:21:26: Aber dann wiederum etwas was mich fröhlich stimmen würde.

00:21:30: Das gibt es im Polnischen unter dem Namen Sapir Kanki.

00:21:34: Das sind einfach nur so... Ja, ne?

00:21:37: Das sind eigentlich wie ein Baguette, so einen Weiß-Bistro-Baguette.

00:21:44: Gar nicht so fancy dann meistens halt irgendwie kann mit Gemüse sein, aber auch einfach nur mit Ultrafikäse und dann so einem Ketchup drauf sein.

00:21:54: Also es ist wirklich ultra easy.

00:21:56: jetzt kein High End Fashion Food.

00:22:00: Gibt's dann irgendwie, weiß ich nicht.

00:22:01: mein Liebling war immer mit Pilzen und dann mit so einer Curry Ketchup Sauce drauf.

00:22:06: Ultra heiß.

00:22:06: man hat sich meistens immer beim ersten Bissen verbrannt.

00:22:09: aber das war so geil.

00:22:10: wir dürften hier in jeden Stadt und es gab was.

00:22:11: weil meine Großmutter auch immer sagte so wie essen die auswärts?

00:22:15: also es gab ja damals noch zu den neunzigern gab es doch gar nicht so viel Fastfoodketten und sowas Das Einzige, was so kam war McDonald's und Burger King.

00:22:25: Und das war halt ein Pizza hat und das war aber ultra teuer.

00:22:32: Meine Oma war dann auch meistens so, ja Burger haben wir zu Hause!

00:22:35: Wir haben Burger King zuhause oder wir haben McDonalds zu hause und dann waren es eher so Frikadellen... ...und mit Pommes waren das dann halt so richtig klobige Pommes selber geschnitten jetzt nicht diese richtig dünnen.

00:22:49: Aber ja das sind Sachen wo ich sagen würde dass eine Also ziehe ich mit Trauern das andere mit Freude.

00:22:55: Und das finde ich irgendwie so spannend auch, weil du ja selber gesagt hast, dass Essen ja ein Transfermittel sein kann und gerade halt auch mit dem Thema Sehnsucht.

00:23:08: Wenn es Menschen von uns ... Das sind ja so viele in Deutschland aber auch in anderen Ländern, dass es uns gibt und wir nicht einfach in diese Heimat zurück können Wir auch nicht in die Heimat zurückkommen können von dem Augenblick, wo wir es verlassen haben.

00:23:27: Weil das ist ja glaube ich auf dieser Aspekt zumindest sehe ich das so mit der Idealisierung dass wir nicht in das jetzige Land zurückkehren möchten in welcher Konstellation es noch existiert sondern dass wir in die Vergangenheit zurück möchten eben in dieses Unbeschwerte

00:23:43: und

00:23:46: Ich finde es erstaunlich und irgendwie auch bewundernd oder bewunderungswert, was Essen in uns auslösen kann.

00:23:57: In der bestimmten Art und Weise wie bestimmte Zutaten auf einen wirken können?

00:24:02: Ich

00:24:02: glaube beziehungsweise

00:24:06: ja.

00:24:06: also eine andere Erklärung habe ich dafür nicht.

00:24:08: aber essen ist ja so einfach ja omnifaktorisch sage ich jetzt mal

00:24:19: weil

00:24:20: Du hast direkt ein Geruch, was ja eh schon super viele Erinnerungen trägt.

00:24:24: Du hast einen Geschmack!

00:24:26: Du hast ja einen optischen Reiz und oft ist es so dass Menschen das gleiche Essen von jemand anders nicht akzeptieren einfach nur weil es dann auch anders aussieht allein oder sich irgendwie Sachen verwehren auch wenn da so ein Kraut anders drin ist, weil das ja so krasse Identitätsmarker sind.

00:24:51: Und ich glaube auch deswegen ganz fest daran, dass es damit so fix geht.

00:24:59: Weil's ja wirklich alle Senses-Sinne auf einmal bedient und dann hat man nicht nur eine Erinnerung wie von einem Geruch oder nur von einem, irgendwie weiß ich nicht, einem Sound sondern so Triple Quad Triple Erinnerungsreize, die direkt im Kopf alles verbinden und dann nicht nur eine Situation, die mit einem Geruch zusammenhängt.

00:25:27: Aufploppen im Hirn sondern direkte Gefühle Verbindungen also Lebensabschnitte würde ich was schon sagen.

00:25:37: Nicht nur irgendwie so.

00:25:38: Ich war in der Stadt und da gab es das.

00:25:42: Das war oft ja mein Leben, meine Oma hat das gemacht wie du gesagt hast.

00:25:45: Ob es die Suppe ist oder ob man dann auch mit einem Abschnitt abgeschlossen hat oder dass so kurz wiederholen möchte und für viele Menschen ist es ja also für mich wäre das jetzt wieder möglich zum Beispiel zurückzureisen auch wenn's nicht mehr das wäre wo ich herkomme wie du auch schon richtig gesagt hast.

00:26:08: aber für viele eine Munitär nicht, wenn da irgendwie super viele Flugstunden dazwischen liegen oder eine wie auch immer geartete politische Situation die es nicht zulässt.

00:26:23: Und ich glaube das ist so die simpleste Form die sich jede Person selber herstellen kann um sich sowieso ein taktisches Weinen.

00:26:35: manchmal macht man so einen taktischen Snack um kurz mal wieder sich fühlen zu können.

00:26:45: Da hast du mir direkt so diese Frage vorweggenommen, ob Essen dafür genutzt werden kann ja im Grunde in Zugang zu sich selbst zu finden und halt in Form von so einem taktischen Wein weil gerade... Du hast es auch so gut formuliert grade unter der Tatsache dass Ästen ja sowas Identitätsstiftendes haben kann weil natürlich halt wir Gerichte haben die jetzt natürlich nicht immer nur in einem Land herkommen, weil es genauso wie Pierogi gibt's überall und heißen dann natürlich anders.

00:27:22: Aber alle kennen irgendwie Teigtaschen.

00:27:25: Es gab ja auch von Hengameya-Gubifara vor Ewigkeiten aus so ein ... Ich glaube das war bei der Tatsunartikel zu diesem fiktiven Restaurant was alle mögliche Arten von Teigtashen hätte von Empanadas zu Pierogi, zu was es da alles gibt.

00:27:49: Und das ist ja in so vielen Küchen korrigier mich gerne wenn ich falsch liege dass es in so viele Küchen irgendwas gibt was im Teig umwandelt wird und dann wird es in irgendeiner Art und Weise gegessen sei's inner Suppe, sei's über Gossen mit Soße mit Käse mit was auch immer gebacken

00:28:04: frittiert alle Arten.

00:28:07: Und da könnte man ja unzählige von diesen Teigtaschen-Variationen irgendwie auflisten.

00:28:15: Selbst in dieser ganzen Variation gibt es natürlich, wie du gerade sagtest, so... Es muss auf eine ganz bestimmte Art und Weise zubereitet werden.

00:28:23: Ich kenne das auch von mir, dass es so unbefriedigend sein kann wenn man Gerichte zuberechtet nicht mit den Produkten die man damals kennt.

00:28:33: Manchmal hat man das Glück.

00:28:35: also In Köln gibt es auch einige polnische Supermärkte oder halt supermärkte, die auch polnischen Produkte führen.

00:28:43: Das ist jetzt ganz spezifisch so... Ich wüsste nicht und das ist ultranischig ich wüsse nicht wie ich ein polnischer Käsekuchen machen könnte ohne halt polnischem Twaug.

00:28:53: Also den gibts mittlerweile auch sehr ähnlich in Lidl unter einer anderen Marke.

00:28:59: Aber halt mit, wenn ich das nicht hätte.

00:29:01: Diese Variation und das sondern nur mit den Produkten die es in herkömmlichen deutschen Supermärkten gibt Das wird halt nicht so schmecken wie da.

00:29:09: Also weil es diese Produkte einfach so in der Art und Weise nicht gibt.

00:29:13: Und natürlich hängt es auch damit zusammen wie Produkte für bestimmte Zielgruppen und für bestimmten Zielländer produziert werden aber auch Wie viel Energie und Zeit man da aufwenden kann oder möchte Wenn eben Die Möglichkeit Nicht So Einfach sind dass Man Einfach so ins Nachbarland rüberfahren könnte, rüberreisen könnte.

00:29:35: Dass dieses taktische Weinen für Menschen mit einer Migrationsgeschichte notwendig ist um sich glaube ich irgendwie wiederzufinden in einem Land wo ihnen vielleicht auch regelmäßig gezeigt wird so ja wer bist du eigentlich und gehörst du zu uns?

00:29:54: Das war aber ein sehr großer Gedanke jetzt.

00:30:03: Ich musste gerade auch noch dabei daran denken, dass es auch abseits von diesem taktischen Snack und taktischem Wein wenn wir das irgendwie gleichstellen.

00:30:17: Auch ein krasses Zeichen oder so eine Strategie sein kann wie man so resilient wird in einer Umgebung die irgendwie gar nicht dafür ausgelegt ist, dass du deine Kultur darin leben kannst.

00:30:36: Und so am Beispiel der Communities mit denen ich aufgewachsen bin... Da gab es auch eine sehr große ulgurische Community oder eine sehr Große koreanische Community, die natürlich nicht diese Produktpalette hatte, die sie dann in den jeweiligen Heimatländern zur Verfügung hatten.

00:30:57: und dann haben die angefangen zum Beispiel diesen drüben koreanischen Salat, also Markovcha zu machen.

00:31:03: Also das heißt so viel wie... Markov heißt Karotte und Cha wie halt von Kimchi.

00:31:11: Das war dann halt deren Ersatz für Kimchi oder dass irgendwie bestimmte Nudelarten dann anders gekocht wurden?

00:31:26: Und das sieht man ja hier genauso!

00:31:30: Weiß nicht, wir müssen auch nicht mal so weit gehen.

00:31:33: Aber dass zum Beispiel die Gastarbeiterinnen aus Italien hier halt nicht die Verfügbarkeit von Parmesan hatten am Anfang und dann natürlich angefangen haben sowas wie Carbonara oder so mit Sahne zu kochen was die Menschen ja heute vor allem auch so die deutschen Menschen als super schlechtes Zeichen für ein italienisches Restaurant sehen Was ich halt von meiner Warte aus überhaupt nicht nachvollziehen kann, weil wir haben ja auch zum Beispiel einen separaten Zweig der Italoamerikanischen Küche.

00:32:09: Warum kann es nicht die Italo-Allmann-Küche geben?

00:32:13: Weil das ist im Grunde nichts anderes gewesen und da gibt's auch viele andere Beispiele – auch aus anderen migrantischen Communities.

00:32:22: Und ich finde es krass dass man irgendwie abseits der Strategien, die man hier entwickeln muss um zu überleben in dieser neuen Gesellschaft und vor allem mittlerweile auch neu durchmischten Gesellschaften.

00:32:34: Weil die Leute, die kommen, kommen ja nicht irgendwie eine Einheitsgesellschaft sondern in einer bereits migrantischen Gesellschaft, dass man auch noch da so aktiv Strategien entwickeln muß, um so die Erstkultur zu bewahren und wie das Communities auch immer schaffen.

00:32:53: ich finde es so beeindruckend weil Ich glaube, meine Mutter macht es ja auch ständig und das geht für mich schon so an Tüftel dran.

00:33:05: Natürlich ist es so Try and Error aber wie sich Leute dahinter klemmen und versuchen um rauszufinden womit man Sachen hier herstellen kann die genauso schmecken wie früher.

00:33:19: Mittlerweile ist es natürlich einfacher durch unser... weltweites Importsystem, was wir irgendwie hier im Westen haben.

00:33:30: Da kriegt man wahrscheinlich... ist natürlich auch eine Geldfrage aber da kriegt so viel dass man das auch halbwegs so herstellen kann alles wie man möchte.

00:33:40: Aber es ist schon also hat ja in der lange Zeit gedauert.

00:33:44: Es ist krass Wie du das formuliert hast mit dieser Strategie als Resilienz eben in einer Gesellschaft oder in Gesellschaften auch zu wachsen die dir eigentlich nicht die Grundlage geben, so zu leben oder dich so zu ernähren wie du das eigentlich möchtest.

00:34:02: Was man ja auch irgendwie provokativ sagen könnte, okay das ist aber vielleicht auch ein Menschenrecht so essen und leben zu wollen Wie man das selbst möchte.

00:34:12: und er halt eben mit den Möglichkeiten und mit den Ressourcen Und du hast da so viele Beispiele genannt von verschiedenen Möglichkeiten sei es jetzt eben so einen Salat der ein Kimchi erinnern soll oder eben halt auch so mit der Carbonara, was glaube ich auch einfach so viele Leute nicht verstehen.

00:34:31: Weil sie halt den Historischen Aspekt nicht in Relation setzen und sagen hey aber das gab es hier nicht!

00:34:38: Und dass ist ja trotzdem eine.

00:34:42: jetzt in dem Fall weiß ich nicht ob mich zum Leute Internet dafür geißeln würden, dass die Carbonare mit Sahne dann doch ne Daseinsberechtigung hat.

00:34:51: Ich esse keine Carbonara, deshalb weiß ich das nicht.

00:34:53: Was ist das für einen krassen Unterschied?

00:34:55: Aber auch in diesem historischen Kontext macht es ja dann absolut Sinn, dann zu sagen so Ja... Das gehört zu diesen Menschen und das ist ja auch genau ein historisches Kulturgut wie Zeitzeug in den Berichte, wie alles andere was sozusagen in dieser Zeit entstanden ist Ja so ein Erinnerungsmoment ist, hey es hat diese Leute hier gegeben die zugekommen sind.

00:35:22: Diese Rezepte zu entwickeln und dass das halt ja auch so Zeitstempel sind.

00:35:27: So kulinarische wenn man das jetzt umfassen möchte.

00:35:34: Und dass sich das schon wenn wir bei solchen großen Worten bleiben ja auch schon so eine Art von Widerstand ist sich eben halt zu zeigen und zu sagen so nein wir wollen Das gleiche Essen oder so gut, ganz nah wie möglich an das gleiche essen von damals zurück kommen.

00:35:52: Oder nicht mal damals historisch gesehen sondern aus unseren Ländern, aus den Ländern wo wir geboren wurden und unsere Familie herkommt weil wir möchten etwas davon mitnehmen und wir möchten was hier haben das Gleiche wieso in anderen Menschen sich Bilder aus der Heimat aufhängen oder bestimmte Teppiche, die nach Mustern geknüpft, gewebt worden sind.

00:36:14: Die aus diesen Ländern kommen.

00:36:15: Das ist natürlich dann halt so ein ... Ich glaube noch mal so.

00:36:19: ein anderer Akt es war das ja wie so ein aktives Zurückholenis weil ein Rezept und das Kochen is ja nochmal was ganz Aktives bei dem man sich bewusst damit auseinandersetzt als wenn man jetzt nur einen Teppich auf den Boden hat und sich denn anschaut.

00:36:37: Aber auch gerade diese Prozesse, die du erwähnt hattest.

00:36:42: Die sind ja so schnell dass wir ja gar nicht so bewusst danach handeln können.

00:36:46: also der Geruch, der Geschmack aussehen das sind ja alles so nervliche Reaktionen die in Milliksekunden passieren.

00:36:56: und dann weißt Du ja wenn Du irgendwas reinbeißst oder wenn Du irgendetwas riechst dann weisst Du so Das ist es!

00:37:02: Oder das ist es nicht?

00:37:04: Und ich find's krass, gerade in dem Aspekt.

00:37:08: Wo wir anfangs am Gespräch waren von wegen so... Ich weiß gar nicht, was ich wirklich richtig traurig war.

00:37:13: So jetzt im verbalen Gespräch aber du dich dennoch in so vielen Ebenen bewegst wo es ja dann doch sehr viel um Gefühle geht.

00:37:25: Ja, was sind denn nicht meine?

00:37:29: Das ist natürlich die Sache!

00:37:31: Aber dann ist halt auch so.

00:37:31: die Frage die sich mir stellt, können es dann so komplett... Also kann es möglich sein dass du dann so komplet emotionsfrei da dich in diesen Rezepten bewegst?

00:37:45: Nein natürlich nicht.

00:37:47: Nee.

00:37:50: Aber ich glaube zumindest bei meiner Arbeit also ist ja relativ oberflächlich würde ich jetzt mal sagen das sind so Sachen mit denen die meisten Leute so resonieren könnten.

00:38:08: Vor allem aus migrantischen Communities, weil wie du auch schon eingeordnet hast wir alle haben ein Bild von etwas, wohin wir nie wieder zurückwerden gehen können.

00:38:20: Wir alle vermissen irgendwas vor allem... Also dann gibt es dann noch die Komponente der ersten und zweiten Generationen, die wahrscheinlich auch noch mehrere unterschiedliche Migrationsgeschichten in der Familie haben.

00:38:37: Das ist so bei meinem Kind zum Beispiel und das sind dann Generationen, die ein Verlangen in sich nach etwas haben was sie noch nie gesehen haben oder nur durch Essen nur durch Erzählungen nur durch Bilder kennen.

00:38:55: Und das sind halt Sachen und ich suche da gerne verbindende Elemente weil ich halt finde dass wir seit Corona vor allem irgendwie so ein bisschen verlernt haben, geil zu diskutieren oder geil uns ertragen zu können.

00:39:12: Und ich bin die erste Person, die irgendwie irgendwem wohin dragt und mit Kacke um sich würft wenn das eine Person verdient hat.

00:39:22: aber es geht da halt um einen Grundthener von Wir müssten mehr Gemeinsamkeiten finden.

00:39:30: langsam Sonst wird's uns ganz schnell ganz kacke gehen.

00:39:37: Vor allem

00:39:38: in dieser ja migrantisch geprägten Gesellschaftsschicht, die ja wirklich nicht allzu klein ist aber auch innermigrantisch sehr viele Diskussionen untereinander hat.

00:39:48: Ich denke aber das so sehr simpel und wirklich oberflächlich runtergebrochen Ist Essen Und auch so eine diese Resonation damit dass wir rauf ins alle einigen können egal welches Land es ist egal, weiß ich nicht was es am Ende ist.

00:40:07: Ob's Fleisch los ist oder nicht.

00:40:10: und worauf wir uns immer einigen können ist dass wir unser Essen bewahren müssen.

00:40:18: Und zwar bis zu dem Status das Leuten gedroht wird also je nachdem.

00:40:25: wenn die sagen weiss ich nicht das und das gehört uns.

00:40:29: Ich finde aber dann ändert sich grad viel In der migrantisch marginalisierte Community sich Sachen reclaimen, wie wir auch so aktivistische Communities woot reclaimen.

00:40:44: Passiert es auch auf der Gastro-Ebene dass zum Beispiel vietnamesische Menschen auch vietnameesisch kochen und nicht irgendwie wie früher sehr oft japanisch oder chinesisch das sehr viele georgische Restaurants kommen, dass die nicht irgendwie da nur vordergründig türkische Küche kochen, dass uigurische Restaurants auf einmal kommen und die nicht chinesisch kochen weil das halt von der Mehrheitsgesellschaft hier verlangt wird.

00:41:14: Und so haben wir halt so Räume, die wie uns aufmachen können gegenseitig in denen wir geiles Essen teilen können.

00:41:26: also vielleicht ist es auch blauäugig aber ich glaube das ist halt so die simpelste Ebene die uns am Ende bleibt.

00:41:32: wenn wir uns über alles andere zerstreiten können wir immer noch zusammengeil essen und uns dann auch verstehen, vielleicht.

00:41:41: Ich sehe das tatsächlich sehr ähnlich wie du, dass sich diese Art und Weise, wie man miteinander diskutiert oder wie man miteinander spricht, vor allem im Internet so eine sehr krasse Richtung aufgenommen hat.

00:41:54: und dabei meine ich jetzt nicht unbedingt rechte Trolle oder sowas sondern vielleicht leute sie sich gar nicht so ja die sich irgendwie als bürgerliche Mitte oder wo auch immer außerhalb des rechten Spektrums sehen.

00:42:06: Und ich versuche auch zu verstehen, warum dann halt solche krassen Diskursen entstehen.

00:42:12: Und ich meine, solche Kochinhalte gerade mit einer Küche die Herkunftsbezüge herstellt, dass es natürlich immer wieder die gleichen Diskussionen gibt so von wer hat's erfunden?

00:42:28: So ein bisschen was natürlich auch sowas Identitätsstiffen das hat.

00:42:33: Ja natürlich keine Ahnung, Pierogi kommen aus Polen oder Blah, Wodka kommt von sonst woher und das ist natürlich halt auch irgendwie so eine... Also ich versuche es mir zu erklären warum das Leute machen weil ich selber nicht ganz verstehe.

00:42:47: Weil im Endeffekt ist es halt so wir können nicht in die Zeit reisen Wir können jetzt nicht rausfinden wer das zu tausend Prozent dies oder das erfunden hat.

00:42:56: oder Ich meine vor allem mit dem Verschiebenen von Landesgrenzen Ist ja auch dann schwierig.

00:43:01: So dass ist halt so.

00:43:02: dieser Aspekt Weil die heutigen Landesgrenzen haben in vielen Teilen gar nichts mehr damit zu tun.

00:43:09: Die Landesgrenze vor hundert, zweihundert, dreihundert und vierhundert Fünfhundert Jahren waren wo bestimmte Gerichte vielleicht ihren Ursprung hatten.

00:43:17: aber ja diese Diskussionsgewalt gerade halt glaube ich auch mit dieser Anonymität im Internet Distanz, weil man ja eben nicht an einem Tisch miteinander sitzt sondern über ein Display miteinander diskutiert.

00:43:31: Wenn man das auch noch diskutieren nennen mag teilweise in dieser Härte, in der man sich begegnet und wo es eigentlich um sowas liebevolles geht wie Essen.

00:43:41: Also ich finde es halt teilweise krass, also ich suche halt auch immer wieder diesen Bezug zu essen, weil ich es immer wieder krass finde, wie die Leute teilweise so richtig krass wütend werden Wenn es dann darum geht, so oh das gehört da rein oder das gehört nicht da rein.

00:43:53: Oder wer hat's erfunden?

00:43:55: und bla bla bla... Es ist zum einen mega schön und toll was das Internet und Menschen ermöglichen dass wir die Sichtbarkeit haben zu bestimmten Küchen, die vorher halt eher zusammengefasst worden sind.

00:44:13: Wenn ich auch überlege so wie früher man osteuropäische Küche zusammengefasst hat und alles wäre irgendwie eh das gleich obwohl es auch tausend Variationen gibt.

00:44:21: alleine wenn ich überlege wie viele polnische Gerichte ich nicht kenne einfach weil meine Familie aus der Region die nicht gemacht hat.

00:44:27: also von irgendeiner klaren rote Betelsuppe zu welchem mit halt geriebenen Rote Beete Suppe werden wir jetzt in nischigen Beispiel gehen.

00:44:36: Aber eben halt auch dieses Beispiel mit ulgurischer Küche, dass da jetzt so Restaurants aufkommen und die dann sogar eine ganz bestimmte Küche haben.

00:44:47: Das ist ja zum einen was Wunderschönes ist weil wir halt dann eben diese Individualität haben, die vorher zum Teil heute immer noch aber viel früher noch sehr häufig so bei einem Kamm geschert worden ist und gesagt wurde ahja das ist alles so asiatische Küche und das ist alle so osteuropäisch und es ist afrikanische Küchen So ein Widerspruch ist und so einen Wegwischen ist von Identitäten.

00:45:09: Und ich frage mich auch so ein bisschen, vielleicht hast du das schon zu teilen beantwortet?

00:45:20: Aber ich fraGE mich tatsächlich ob wir in diesem Diskussion nicht alle doch noch einen fehlenden Zugang zu unseren Emotionen haben und deshalb... Vielleicht auch diese ganzen Gefühlscocktails die wir mit dem Essen haben wo wir ganz viel fühlen Dass es uns noch fehlt, diesen Übergang zu machen.

00:45:44: Um uns da vielleicht besser begegnen zu können?

00:45:48: Ja... Das mag so... Also ich glaube dieser fehlende Zugang wird so ein bisschen runtergebrochen auf Nationalmannschaftssport und Menschen müssen in erster Linie checken dass Essen- und Kultur eine regionale Sache sind und nicht eine nationale Sache.

00:46:13: Es ist ja irgendwie ein bisschen zustande gekommen, das weiß ich nicht.

00:46:16: Tamilische Küche als Indische oder Küche aus Sri Lanka mitvereinamt und unsichtbar gemacht wird ne?

00:46:26: Man kann aber in dessen Sachen präzisieren ohne sie gegeneinander auszuspielen und man kann indes auch diese ungleichen Machtverhältnisse benennen genauso wie du das in Osteuropa erwähnt hast, natürlich gibt es da eine große Vormacht von Russland die alles wie so ein Magnet Audensansicht sieht und irgendwie sehr viel hier über Einkam geschert wurde.

00:46:54: Und alles schnell als russisch abgestempelt obwohl weiß ich nicht allein auf diesem ja riesigen Land so hundert neunzig oder was Ednien leben.

00:47:06: und Menschen müssen checken dass es auch kurdische Gebiete in der Türkei gibt, wo Essen und Kultur herkommt, die nicht unbedingt türkisch ist.

00:47:17: Ich glaube halt das einmal zu checken und sein Ego abzustellen und zu sagen ja, das ist aber unser Asphalt!

00:47:26: Es kommt aus dieser nationalen Landesgrenze würde allen helfen... Und ich finde es aber auch so bezeichnet weil bei einer Art von Menschen geht's ganz schnell Und zwar bei so weißen Dood-Dood-Sterne köchen die gefühlt jede Küche der Welt für sich vereinnahmen und irgendwie fusionieren, machen können.

00:47:49: Da sagen alle wow cool hier nimm dir drei Michelin Sterne!

00:47:52: Gefühlt so... Aber ähm... So runtergebrochen vor allem auf migrantische Menschen wird das glaube ich erst klappen wenn wir checken.

00:48:07: Nationalstaaten ain't shit.

00:48:09: Wahrscheinlich brauchen wir die gerade, auf welche Art und Weise auch immer.

00:48:14: Aber wenn wir uns angucken wie viel damit verkehrt läuft?

00:48:17: Wie viele Gewalt damit auf der Welt geschaffen

00:48:19: wurde,

00:48:21: müssten wir uns eigentlich um da vielleicht so eine geilere Ebene zu finden bisschen von lösen.

00:48:27: Wenn du richtigerweise gesagt hast dass Essen eher kulturelle Bezüge hat als tatsächlich nationalstaatliche Bezügen und wir uns eigentlich von dem Ganzen lösen müssten.

00:48:41: Was sicherlich auch so was Identitätsaufreibendes sein kann, wenn sich Menschen zu stark mit fiktiven Staatsgrenzen mehr identifizieren als mit Essen, mit Sprache, mit Aufwachsen, mit Musik... Was meinst du?

00:48:57: Was es bräuchte damit ist da wieder vor allem Post-Corona eine stärkere Zugängigkeit gäbe für einander.

00:49:08: Ich glaube, da beschäftigen sich Menschen auf wissenschaftlicher Ebene damit seit Jahren jetzt.

00:49:15: Wie lange ist Corona her?

00:49:16: Vier Jahre oder so... wie soll ich das beantworten als so

00:49:22: mit Küchen und

00:49:23: Schreibmaus?

00:49:25: Mit dem was du machst!

00:49:27: Du beschäftigst dich ja so viel mit Essen.

00:49:32: für eine Bedeutung, für einzelne Menschen aber auch eben kulturell was das für eine bedeutungs haben kann.

00:49:38: Das habe ich die Frage gestellt.

00:49:43: Ich glaube tatsächlich durch Essen oder durch das Beschäftigen mit Essen und nicht bloßes Vereinahmen für sich von Gerichten oder von Eskultur könnten wir eine Grundlage schaffen in der man einander zumindest ertragen könnte.

00:50:09: Also ich glaube, es fällt einer Person – ist wieder ein bisschen blau eigentlich – aber es fällt eine Person schwerer mich kacke zu finden wenn die mal mein Essen gegessen hat.

00:50:24: Es fällt einer person schwieriger jemanden kackel zu finden der erzählt hat wie viel er oder sie mit einem bestimmten Gericht verbindet.

00:50:36: Und ich glaube, da machen sich schnell und einfach mehr Gemeinsamkeiten auf als wir uns das eingestehen würden.

00:50:46: Und vor allem einfacher... ...als irgendwie so Gräben zu schaffen die ja sich immer mehr verhärten und immer einfacher aufzumachen sind.

00:50:54: heutzutage weil alle können sich darauf verständigen dass das Essen von Oma, Opa, Mama, Papa das Geilste ist.

00:51:01: Alle können sich darüber verständigt Irgendwie, dass ihre Art Pfangkuchen geil ist.

00:51:06: Alle können sich darauf verständigen, dass Teigtaschen geil sind oder halt eben nicht und dann kann man sich dadurch connecten.

00:51:13: Und es ist zwar so eine sehr profane Art aber wie gesagt ich finde das ist halt die einfachste Art um die schnellste Art So auf einer sehr simplen Gefühlsebene miteinander irgendwie zu connecten.

00:51:29: Also weiß nicht wenn das Menschen über Fußball schaffen Oder ich weiß nicht über Basketball oder was, dann kann man es doch eher über einen geilen Burger genauso schaffen.

00:51:40: Oder was weiß ich, was Menschen irgendwie machen?

00:51:42: Pizza!

00:51:43: Ja wenn mir irgendwer erzählt, was der für eine Pizza macht, ich könnte mit der Person mich über stundenlang unterhalten.

00:51:53: So...

00:51:55: Ich danke dir herzlich Anna.

00:52:00: Ja, wenn wir in den Metaphern bleiben.

00:52:01: In dieser kulinarischen Reise, die du mit mir durchgegangen bist und ich hoffe natürlich auch dass wir alle gesellschaftlich näher wieder zueinander finden.

00:52:12: Sei es mit einer Pizza sei es mit Teig-Taschen oder einem Burger Das war Trauerschotten der Podcast über Trauer Verlust Und das Leben danach in eigener Sache.

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